Muenchen – Lebensmittel – Wein, Bier & Spirituosen
Am vorletzten Freitag haben CuA mich eingeladen, es sollte eine Überraschung werden. Schon den ganzen Tag über war es in München unheimlich schwül und drückend, gegen 17.00 Uhr sind dann die ersten schwarzen Wolken über München aufgezogen, aber in der Stadt selbst ist außer weinigen Regentropfen alles ruhig geblieben. Also haben wir uns auf den Weg gemacht, rein ins Auto, ein Mini Cabrio, heute geöffnet, A schaltet wie fast immer Navi im Handtelefon ein. Welch schreckliche Stimme, ich muss immer schmunzeln, brauche sowas zumindest in München nicht, aber dadurch entwickeln sich sehr oft komische Diskussionen, denn die komische Tante Anne oder wie sie auch immer heißen mag, könnte direkt mit mir entfernt verwand sein, sie weis immer alles besser. Ich möchte es einmal erleben, dass diese komische Tussi die gleiche Stecke aussuchen würde.
Heute ist die Ausgangslage allerdings auch eine ganz andere, denn mir fehlt das Wichtigste, ich kann bei mir kein Ziel eingeben, mit Überraschung kann mein Kleinhirn nichts anfangen. Also beobachte ich ganz entspannt, auf der Rücksitzbank im Mini eher verspannt, was denn da auf mich zukommt.
Die Fahrt geht an der Isar entlang, über die Ludwigsbrücke Richtung Osten, am Gasteig vorbei in die Innere Wiener, immer weiter über die Ismaninger, Herkomerplatz, Effner Platz und Effnerstraße … die Spannung steigt, wo soll‘s denn eigentlich hingehen. Es meldet sich wieder meine Freundin mit der überaus netten Stimme, „nach 100 Meter rechts abbiegen in die Johanniskirchner Straße“. Da meldet sich auch schon mein Kleinhirn, die wollen doch nicht etwa in die „Dicke Sophie“, zur Überraschung Ayinger Bier. Es geht wirklich in diese Richtung, unter der S-Bahn durch, hier muss es aber richtig geregnet haben, aber er fährt weiter, Gott sei Dank, kein Ayinger, aber wohin jetzt?
Schon hör ich sie wieder plärren, umdrehen, bei der nächsten Möglichkeit bitte wenden! Hat A. nicht richtig zugehört, kann doch nicht sein – er macht doch keine Fehler!
Bei mir im Hirn brodelt es direkt schon, au ja jetzt kommt der Geistesblitz, „Alte Wiede Fabrik“.
Da bin ich auch schon mal gewesen, neben vielen Künstlern, die hier in Ateliers und Werkstätten in den Räumen der ehemaligen Wiede-Acetylen-Werke arbeiten, findet man hier auch einen Weinhändler, der normalerweise jeden Freitag ab 17.00 Lagerverkauf hat, seine Weine zum verkosten anbietet, aber man kann auch zum Weintrinken kommen und Kleinigkeiten dazu essen. Ja, da kommt sofort Vorfreude auf.
Dort angekommen erzählt uns der sehr freundliche Kellner, dass er heute eine Reservierung hat, und uns wegen des starken Regens, der vor kurzer Zeit hier niedergegangen ist, im Moment nicht weis, ob seine Gesellschaft oben, wie bestellt, oder doch im Keller Platz nehmen wird. Nach kurzem Hin und Her hat er uns dann doch 3 Plätze zugewiesen.
„Darf’s zum Einstieg vielleicht ein Gläschen Welschriesling mit Aperol sein?“ Ja gerne, das probieren wir, erinnert mich sehr stark an meinen Lieblingssommeraperitif Veneto Spritz oder sehr oft auch nur Sprizz genannt, ja in dieser doch sehr ausgefallenen Schreibweise.
Das Getränk kam in einem sektähnlichen Glas, nicht schlecht, für mich eine Spur zu sauer, bedingt durch die Mengenverhältnisse, hier ein Spritzer Aperol, dazu knapp ein 0,1 Liter Welschriesling, an sich ja schon ein Weißwein mit ausgeprägter, fruchtiger Säure und dazu kommt in diesem Fall ein sehr großes Stück Zitrone. Serviert wurde der Aperitif interessanterweise auf einer Serviette von Aperol mit einem Rezeptvorschlag für Aperol-Sprizz, welches zwar meinem sehr ähnlich ist, aber doch nur ähnlich.
Mein Sprizz wird in einem großen Rotweinglas serviert, hat 2 cl Aperol, 0,2 l Weißwein, am besten eignet sich ein Prosecco Tranquillo, also ein stiller Wein aus der Prosecco-Traube gekeltert, allerdings bei uns nur sehr selten erhältlich, weshalb ich entweder auf einen guten Soave, oder einen Pinot Grigio zurückgreife. Aufgespritzt wird der Aperitif mit 0,2 Liter Soda und idealerweise mit einem Achtel Limone, ersatzweise auch Zitrone verfeinert.
Soviel zum Aperitif, anschließend bestellten wir eine Flasche Grünen Veltliner vom Weingut Hellerschmid, Donauland. Ein wirklich herzhaft würziger Wein, genau wie ich mir einen Grünen Veltliner vorstelle, dazu würde vorzugsweise ein richtiges Wiener Schnitzel mit einem schönen Salat hervorragend passen. Sofort assoziiere ich Wien, hier hab ich im Figlmüller, gleich beim Steffl, wie die Wiener liebevoll ihre Domkirche St. Stephan nennen, zwischen der Bäckerstraße und der Wollzeile gelegen, das beste Wiener Schnitzel gegessen.
Wir befinden uns aber in Johanniskirchen, auch wenn‘s durchaus a bisserl wienerisch klingt, ist’s ein Stadtteil im nordöstlichen München, und bei unserem Weinhändler müssen wir uns leider mit kalten Speisen zufrieden geben. Wir bestellen zum Wein einen Brotkorb, eine Pastete, bestellt und von CuA auch als Pastete Pata Negra erkannt, Pata Negra ein Serrano-Schinken vom „schwarzen Schwein“, das zum Schluss nur noch der Eichelmast unterzogen worden ist, konnte ich aber nicht bestätigen, ich hatte eher Entenpastete auf der Zunge, was mir auch mein Gaumen bestätigte. Dazu gab’s noch zwei Sorten grüne Oliven, wobei mir die größeren mit Kern wesentlich besser mundeten, als die kleineren, schon entsteinten.
In der Zwischenzeit war auch die Reservierung eingetroffen, hatten größtenteils auch den Aperitif geordert. Der neu eingetroffene Kellner wurde mit der Frage konfrontiert, was denn Aperol sei.
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Er hat es dabei bewenden lassen, wie Campari.
Da hab ich so meine Zweifel, warum sagt eigentlich niemand, das weis ich leider nicht genau, da muss ich mich noch näher informieren, hätte für mich alle Möglichkeiten der Welt gehabt, z. B. wir sind in erster Linie österreichisch, und nicht unbedingt italienisch ausgerichtet. Wir hatten das Thema daraufhin auch aufgegriffen, für mich ein Unterschied der Alkoholgehalt, Aperol in Italien mit 11 %, bei uns seit kurzer Zeit mit 15 %, Campari hingegen mit 25 %, im Campari sollen über 60 Zutaten zu finden sein, darunter auch Chinin. Ein weiteres Merkmal ist die unterschiedliche Herkunft, der eine aus Padua zur Region Venetien gehörend, der andere aus Mailand, was wiederum zur Lombardei gehört.
In der Zwischenzeit war unsere Flasche mit dem erwähnenswert guten Grünen Veltliner leergetrunken, der Kellner war sehr schnell zur Stelle, wollte uns eine Steigerung anbieten, die wir im Normalfall sicherlich angenommen hätten, aber durch den Regen sind die Temperaturen sehr stark gesunken, unsere Kleidung war zu sommerlich, um bei diesen Temperaturen draußen sitzen bleiben zu können. Außerdem wollte ich die Gläser zumindest vinifiziert haben, wenn der Kellner aber entweder nicht verstanden hat, oder aber er hat nicht gewusst, was vinifizieren bedeutet. Er hat jedenfalls den neuen Wein, eine Cuveé mit dem sehr sinnigen Namen Komposition Lebensfreude vom Bioweinhof Alfred Paradeiser aus Fels am Wagram, einfach ohne auf meine Bitte einzugehen, eingeschenkt. So kann ich den neuen Wein nicht richtig schmecken.
Ganz besonders erwähnenswert für mich das Korkgeld Euro 3,50 – da könnten sich ähnliche Betriebe ein Beispiel nehmen, da macht’s doch noch richtig Spaß mal mit Freunden eine oder auch mehrere Flaschen zu trinken. Ich komme bestimmt wieder!
Mein Beitrag zu Anton Groiss – Ich bin concrema – auf Qype